Skip to content

Bethlehem und Hebron #1

Heute geht’s hauptsächlich um den Trip nach Bethlehem und Hebron. Natürlich nur in jedem 7. Ei. Ich wollte schon viel früher alles niederschreiben, aber die gewaltige Welle an Informationen haben mich daran gehindert irgendetwas zu verfassen. Fuck! Ich denke jedoch, es gibt keinen anderen Ausweg als einfach mal loszulegen. Falls ich hier und da mal abschweife, dann ehm ja dann einfach nochmal lesen. Wird schon. Versprochen!

Unsere deutsche Gruppe ist für ein paar Tage größer geworden, da Besuch aus Deutschland gekommen ist und der Trip an sich etwas mehr Organisation benötigt. morgens ging es los. Ätzend, aber was tut man nicht alles für die Erfahrung. Wir sind alle samt zum Busbahnhof, eher gesagt ein alter Hinterhof mit paar Bussen. Nun gut, wir bekommen unseren „Bus“. Wir denken uns nichts Böses und steigen nach der Reihe ein. Hierbei muss erwähnt werden, dass es sich um ein kleinen Bus handelt der schon seine besten Jahr hinter sich hat. Moment mal, passen wir denn alle rein? Nein, aber was soll’s, wir werden reingepackt und der Letzte muss sich auf den Schoss eines Anderen setzen. Dem Busfahrer fällt es auf und Schwupps bekommen wir einen Kinderhocker, ja warum denn auch nicht. So kann sich auch der letzte unserer Gruppe mitten im Gang auf einen Hocker setzen. Eng aber gemütlich. Es geht los. Erstes Ziel Bethlehem. Es wackelt, es knirscht und wir hüpfen durch die Gegend, aber solange wir heile ankommen ist alles gut. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und wir genießen dabei die wunderbare weite Aussicht. Es geht hoch und wieder runter und der Fahrer gibt Vollgas, was auch sonst, der Bus ist voll. Wir sehen öfters Beduinen, also Menschen die in verlassenen Regionen leben, wie hier die karge steinige Landschaft. Tiere, einige Menschen, paar Metallhütten, das wars. Faszinierend. Komplett ohne Strom und von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten, so was würde man gern mal erleben. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir durch einige Checkpoints, mal wieder. Wir sehen hochgezogene Mauern, bewaffnete Soldaten und ein anscheinend besonders gefährlich Checkpoint.

Wir sind da. Bethlehem! Komisches Gefühl. Kennt ihr das? Ihr kennt eine Stadt euer ganzes Leben, ob aus Kirche, von der Familie, der Schule oder aus Filmen und Büchern und ihr denkt an einen besonderen Zauber, wie z.B. an Weihnachten und dann ist da Nichts. Irgendwie traurig. Wir gehen direkt zur Geburtskirche. Der Ort an dem angeblich Jesus geboren ist. Es ist Sonntag und es ist voll, doch nicht nur wegen Sonntag sondern weil es der Palmsonntag ist und hier noch Ostern gefeiert wird. Ostern? Palmsonntag? Ja genau, für die orthodox-christliche Kirche sehen die Daten für Ostern etwas anders aus. Mit dem Palmsonntag wird an Jesu Christi gedacht, der in Jerusalem eingezogen ist und als Zeichen des Königtums vom Volk mit Palmzweigen begrüßt wurde. Das hier Ostern noch kommt, ist eine von vielen Sachen die etwas anders laufen. Zumindest in diesem Ausmaße. Wir laufen auf den Parkplatz der Geburtskirche, die seit 2012 in der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Vor dem Parkplatz der Kirche treffen wir auf einen Bekannten unserer Gäste, der uns freundlicherweise seine Heimatstadt zeigen möchte. Wir gehen direkt zur Kirche und werden genauso direkt aufgehalten. Unser Guide erklärt das wir auch drinnen nicht reden und wir dürfen durch. Erst mal bücken und wir stehen vor einer alten Holztür, klopfen und wieder heißt es „Nein“! Es ist Messe und wir sollen den Haupteingang nehmen. Haupteingang? Ach ok, wir folgen ihm und kommen in einen schönen Innenhof. Sogar deutsche Gravierungen findet man hier. So etwa wie im Film. Hier fühlt man schon etwas mehr Zauber, auch wenn’s wirklich voll ist. Was uns auffällt sind die Frauen. Im Vergleich zu Ramallah eine komplett andere Welt. High Heels, knappere enge Kleider und wirklich herausgeputzt. Da sind die Männer schon etwas bescheidener. Nicht schlimm natürlich aber interessant. Wir versuchen unser Glück erneut und werden wieder nicht reingelassen. Es ist Messe und wir dürfen erst um 14 Uhr rein. Wir sind eindeutig zu Deutsch oder zu touristenmäßig unterwegs. Dann zeigt mir meine Mitbewohnerin kurz einen Eingang und siehe da zumindest ist man in der Kirche und kann die Messe sehen, auch wenn Gitter dazwischen sind. Und der Spaß beginnt.

Wir sind zu dritt und bewundern die Messe, kurz schauen darf man ja. Wir wollen es der restlichen Gruppe zeigen und Schwupps Alle weg. Wir sind etwas durcheinander und wissen nun nicht mehr wo wir hin sollen. Ganz raus? Doch rein? Stehen bleiben? Weiter laufen? Weinen? Wir schauen kurz raus und finden Niemanden. Also wollen wir doch nochmal rein um sicher zu gehen das sie doch nicht in der Messe sind. Aber nein, wir dürfen direkt nicht rein. Auf der Tür klebt ein schöner Spruch „Was wir hoffen! Wenn du als Tourist eintrittst, kommst du als Pilger wieder raus. Wenn du als Pilger eintrittst, kommst du als Heiliger wieder raus“. Aha sehr nett, aber das bringt uns nicht weiter. Wir gehen wieder durch den Seiteneingang und hoffen irgendwen zu finden. Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns in der Kirche um. Nebenbei laufen die Festtraditionen. Ein Blick nach Vorne und wir sehen die Geburtsgrotte. Naja nicht direkt aber der Eingang zur Geburtsgrotte. Doch wie immer wir dürfen nicht rein. Es ist Sonntag, es ist Feiertag, es ist die falsche Uhrzeit. Wir kehren vergeblich um und suchen draußen weiter. In der Hoffnung unsere Gruppe doch wo anders zu finden, laufen wir Richtung Parkplatz. Oh die Milchgrotte! Da wollen die Mädels gern hin. Das Kloster der Milchgrotte besagt, das die Jungfrau Maria damals mit Jesus Zuflucht in der Grotte gefunden hat und beim Stillen einige Tropfen Milch auf den Boden gefallen sind. Dabei wurde der Boden weiß. Als heilige Stelle kommen nun Menschen verschiedener Religionen und sprechen ihren Kinderwunsch aus. Was demnach die Fruchtbarkeit erhöhen soll. Aber erst mal müssen wir unsere Gruppe finden. Wir kehren zurück. Ich schlage vor, nochmal in der Kirche zu schauen und der Rest wartet. Ich gehe in die Kirche, gehe weiter, schaue weiter und bin der bei Geburtsgrotte. Eine Gruppe Inder strömt heraus und die Sicherheitsleute sind etwas überfordert. Na wenn das kein Zeichen ist. Ich nutze meine Gelegenheit und gehe als ob es mein täglicher Arbeitsweg wäre in die Grotte herab. Viele Menschen knien, beten, streicheln, küssen. Fotos sind anscheinend in der Menge nicht erlaubt. Den Indern, interessiert das wenig, aber irgendwie hat niemand was dagegen wenn ich eins mache. Voller Stolz trete ich aus der Grotte hervor und gehe Richtung Ausgang. Voller Stolz erzähle ich von meinen Erlebnissen und plumps lande ich wieder in der Kirche. Die anderen wollen natürlich auch. Wir werden von einem Guide an die Hand genommen, natürlich umsonst und erfahren, dass nicht nur die Grotte wieder zu ist sondern der ganze Innenbereich nicht mehr betreten werden darf. Schade für die Anderen. Wir gehen raus und bekommen endlich einen Kontakt zu der Gruppe. Wir werden abgeholt. Anscheinend werden wir gleich weiterfahren, 10 Minuten maximal. Voller Schreck laufen wir Richtung Milchgrotte.

Ach die ist auch zu? Auf dem Schild steht von 8 – 11.45 Uhr. Wir haben 9 Minuten Zeit, aber das sieht der Schlüsselmeister wohl anders. Sehr streng sei das Kloster. Wieder ein Rückschlag. Auf dem Rückweg, gehen wir noch durch eine Fabrik durch, die aus Olivenbaumholz (Komisches Wort) verschiedene Holzfiguren, wie Jesus oder Maria schnitzen lässt. Natürlich als Souvenir. Wir überlegen und kaufen Kleinigkeiten. Doch viel zu wenig. Wir finden uns auf dem Parkplatz mit der Gruppe ein und machen uns zum Bus. Wir wollen widerkommen. Hoffentlich, doch jetzt geht’s erst mal nach Hebron. Wir steigen in unseren Bus. Der Letzte bekommt den Hocker und wir düsen los. Unseren Guide haben wir mit an Board und er erzählt uns über seine Arbeit gegen den die Unterdrückung und der Übernahme des Landes durch die israelischen Soldaten. Über die Proteste und wie sie versuchen die Welt auf sich aufmerksam zu machen. Er hat viel erlebt und kennt viele Menschen. Er freut sich uns seine Geschichten erzählen zu können. Auf dem Weg nach Hebron passieren wir wieder einige Checkpoints und mitten auf einer Straße bleiben wir stehen. Unser Guide berichtet uns von seinen Aktionen das Leben samt seiner Arbeit. Er führt uns einem alten verlassenen Steinhaus und Einwohner der dazu gestoßen ist und sein Heim einige Meter weiter wieg liegt, sonst gibt’s hier nichts. Auch er berichtet von seinem Leben und wie er sich freut, wenn Menschen von Außerhalb die Situation ernst nehmen. Wir machen einige Gruppenbilder und gehen den schönen steinigen Weg zurück zum Bus. Wir bedanken uns und sagen Tschüss. Unser Guide verlässt uns. Also heißt das für uns Sitzen, Klappstuhl, Fenster auf und weiter. Wir sind auf Hebron gespannt. Es ist warm und wir sind durstig. Daher geht’s im nächsten Artikel weiter.

Be First to Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *