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Das Flüchtlingscamp Al-Amari

In diesem Beitrag versuche ich mal einen kleinen Einblick in das Flüchtlingscamp Al-Amari zu geben. Eins von drei in Ramallah. In dem also Menschen seit der Aufspaltung aus den damaligen palästinensischen Gebieten vertrieben wurden. Jetzt leben im Camp ungefähr 11.000 Menschen, auf einer 1km2 Fläche. Wir sprechen natürlich von registrierten Menschen. Aufgebaut wurde das Camp 1949 und wurde seitdem auch nicht vergrößert, ist natürlich nicht erlaubt. Da jede Familie im Durchschnitt 5 Kinder hat, kann man sich gut vorstellen wie eng so was werden kann. Daher werden mehr Wohnungen benötigt um die Menschen auch unterzubringen. Folglich fangen die Menschen an ihre Häuser höher und höher zu bauen, das es in die Breite nicht geht. Bis zu 40 Menschen können im Normalfall in so einem Haus wohnen. 6-7 Personen pro Raum. Das Problem ist, das jeder Besitzer so bauen kann wie er will und es keine richtigen Bestimmungen gibt, ob Bau- oder Sicherheitsbestimmungen. Die Konsequenz lässt sich leicht erahnen. Die Straßen und Wege werden jedes Jahr enger und ab und zu kann auch mal so ein Gebäude einstürzen, was für die Bewohner natürlich nicht so schön ist. Flüchtlinge an sich werden eher von den Stadteinwohner gemieden und anders betrachtet. Nicht richtig akzeptiert. Demnach bleiben die Flüchtlinge eher unter sich und verlassen das Camp wenig. Dieses ist auch mit einem großen gekennzeichneten Eingang und hohen Mauern Drumherum klar sichtbar ist. Schon paradox.

Für unseren ersten Besuch, zumindest für die meisten von uns, stehen wir vor dem Eingang und warten auf einen Studenten der als Freiwilliger in einem der Computer Clubs innerhalb des Camps arbeitet. Warum wir warten? Weils nicht so schön ist einfach so in das Camp zu laufen, man könnte einige Probleme bekommen oder die Flüchtlinge fühlen sich auf den Schlips getreten und in kurzer Zeit stehen mehrere Personen um einen herum. Leider gab’s Kommunikationsschwierigkeiten und wir sprechen Kinder an, die uns dann zum Computer Club bringen und die richtige interne Kontaktperson finden. Wir werden in die Räumlichkeiten des Clubs gebeten, was aber grundsätzlich als Kinder- oder Jugendclub genutzt wird. Wir warten und beobachten die spielenden Kinder mit den freiwilligen Mitarbeitern. Dann erscheint der Mitarbeiter und erklärt uns die aktuelle Lage, bevor wir einen Rundgang durch das Gebäude erhalten. Der Sinn des Computer Clubs ist es, Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu bieten, Zugang zum Internet zu gewährleisten und diese mit neuen Medien zusammenzubringen. Diese sind dann an einem Tag oder Nachmittags nach der Schule geöffnet und werden von Freiwilligen betreut. Dieses Konzept wurde aus Deutschland übernommen und hier vor 2 Jahren umgesetzt. Wer mehr Infos braucht siehe hier.

Nach dem Rundgang haben wir eine persönliche Führung durchs Camp bekommen. Überall sieht man Kinder oder Menschen die uns anschauen, auch kein Wunder, wer würde nicht schauen wenn durch seine Straßen bunt gemischte Menschen mit Kameras herumlaufen. Nach einiger Zeit folgen uns auch einige Kinder und Menschen kommen auf uns zu. Man erzählt uns von den Gebäuden und verschiedenen Einrichtungen die im Camp aufgebaut eröffnet wurden. An vielen Wänden sehen wir Bilder einiger Männer. Es sind Gefangene und Ermordete, Widerstandskämpfer. Mit dem Bildern und Plakaten soll an sie gedacht werden. Wir sehen wie viele Gebäude unfertig sind oder einfach auf extrem kleiner Fläche noch hochgezogen werden, Autos kommen schon fast nicht mehr richtig vorbei. Dann werden wir zur Gedenkstätte geführt, falls das so bezeichnet werden kann. Zwei Bauwerke an denen die Namen aller Toten hängen, auch die Familie unseres Begleiters hängt am Erinnerungsmal. Man erzählt uns weitere Dinge über das Camp, über die verschiedenen Einrichtungen speziell für Frauen oder Behinderte. Danach kommt ein freiwilliger Mitarbeiter der insgesamt 21 Jahre im Gefängnis saß. Wir dürfen ihm Fragen stellen. Er ist sehr offen und erklärt uns recht schnell, dass er wie viele festgenommen wurde, als er sein Land verteidigt hat. Es ist sehr spannend und verrückt zugleich. Da wir für unser eigenes Projekt etwas mit Behinderten aufbauen wollen, frag ich nochmal nach. Was das für eine Idee ist kann ich so nicht nich sagen, dazu aber später vielleicht mehr. Einige Jungs sind sofort offen dafür uns die Einrichtungen speziell für Behinderte bzw. Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu zeigen. Wir wollen wiederkommen, daher brauchen wir den Weg und die Erlaubnis der Menschen vor Ort. Unsere Gruppe trennt sich und wir wenige laufen mit den Jungs mit. Alle arbeiten freiwillig im Camp, einige wohnen auch hier, andere haben hier gewohnt und kommen trotzdem täglich um zu helfen. Man zeigt uns die Räumlichkeiten und lädt uns ein jederzeit vorbeizukommen. Auf dem Rückweg spricht mich einer der Leiter an und will gerne mit uns in Kontakt treten. Wir tauschen uns aus und versuchen, bevor ich und unsere Mädels komplett von Menschen umzingelt sind, das Camp zu verlassen. Wir sind etwas überfordert mit der Situation. Auf dem Weg sehen wir wie so oft den Schlüssel, das Zeichen der Menschen auf Rückkehr. Viele Familien haben damals als sie vertrieben wurden, ihre Häuser abgeschlossen und den Schlüssel als Zeichen der Rückkehr mitgenommen. Dieser Schlüssel wird von Generation zu Generation weitergegeben. Daran halten sie fest, egal wie lange es dauert. Wir kommen auf jeden Fall wieder.

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