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Ramallah, der letzte Tag

Der letzte Tag in Ramallah. Müde, stressig, nervös und trotzdem einfach nochmal richtig geil. Ich bin wieder zurück. Eher gesagt, wir sind wieder zurück. Gesund und sicher angekommen. Die letzten Tage waren sehr stressig und arbeitsintensiv, daher sind auch gerade keine Berichte erschienen. Keine Sorge, die wichtigsten Orte und Themen werden natürlich nachgeholt. Ob Jericho, Totes Meer, Jerusalem oder unsere Projektvorstellung werden in den nächsten Tagen und Wochen hier ausführlich niedergeschrieben. Natürlich wie es dann auch weiter geht mit dem allgemeinen Projekt. Aber zunächst möchte ich hier den letzten Tag beschreiben. Dieser war irgendwo doch sehr stressig, aber dafür auch sehr lustig und informativ.

Letzter Tag in Ramallah. Ein komisches Gefühl. Das letzte Mal wacht man auf und hört die typische Geräuschkulisse, die aus Gebetsgesang, Autos, Kindern und wildem Rumgehupe besteht. Ach herrlich! Für mich diesmal der frühste Morgen in der gesamten Zeit. Eins stand noch auf der To-Do-Liste. Laufen, eher gesagt einen kleinen Marathon absolvieren. Sportlich ging’s eher bergab. Natürlich konnte und hier da paar Workouts einlegen, aber Joggen oder intensiv Zeit für Sport war nicht drin, lag zum Teil auch an den Straßen. Zwei von uns aus der Gruppe wollten unbedingt mitlaufen, also ein Kollege und ich, vielleicht auch noch einige palästinensische Studenten, aber da weiß man nie so richtig. 6 Uhr morgens und es klingelt der Wecker. Offiziell sollte alles um 8 Uhr anfangen. Da wir beide in zwei verschiedenen Wohnungen liegen, wird erst mal geprüft um man wach ist. Dann warten wir auf die lokalen Studenten, denn die wissen wo der Lauf stattfindet und wie man sich überhaupt anmelden kann. Wir warten und warten und malen uns schon aus, dass es sowieso schon zu spät ist. Doch aus dem Nichts wartet jemand vor der Tür. Einer der lokalen Studenten, der auch mitlaufen möchte und von unserem Treffen erfahren hat. Dann geht alles sehr schnell. Laufklamotten an, Schuhe an und oh es regnet, egal Jacke an los gehts. Anscheinend wurde die Zeit auf halb 9 oder 9 verlegt. Zum Glück. Wir betrachten zum ersten Mal Ramallah um 8 Uhr morgens, so ruhig, so unscheinbar. Ich werde es vermissen. Das erste Mal in kurzen Klamotten und es ist auch noch erlaubt. Es fühlt sich etwas merkwürdig an.

Nach einigen Minuten kommen wir auch schon am Treffpunkt an. Mehrere hunderte Menschen, eher davon Jugendliche und Kinder, sind schon startklar und warten nur auf das Go. Wir melden uns an, wohl eher unser Studi meldet uns an. Wir stehen grinsend daneben und sehen wie die junge Dame mit unseren Nachnamen überfordert ist, egal der Vorname reicht auch aus. Wir bekommen unsere Nummer, unser Trikot und sogar eine Cappy. Ich bin begeistert. Zum Aufwärmen gibt’s sogar paar Tanzeinlagen von den Organisatoren und schöne Musik. Dann heißt es wieder warten, bevor es endgültig los geht, das Wetter ist jedenfalls super zum laufen. Endlich geht’s los. Zu dritt laufen unsere 10 Kilometer. Eine riesige lange Runde durch die Stadt und neue Stadtteile. Der letzte Tag und nochmal solche eine positive Erfahrung erleben. Anstrengend aber schön. Im Ziel angekommen sind wir einfach nur erfreut. Wir quatschen noch etwas bevor es erst mal wieder Heim geht.

Zu Hause wurde nochmal das übliche Programm durchgeführt. Wäsche waschen, anfangen zu packen, aufräumen, essen, letzte Pläne für den Tag schmieden.

Nachmittags müssen wir für unser Projekt noch die letzten Sachen abarbeiten. Plakate aufhängen, Sticker verteilen und die Stadt damit bekleben und noch ein Interview drehen. Was wir da genau auf die Beine gestellt haben, werde ich nochmal separat erklären. Beim aufhängen der Plakate, haben wir nicht nur öfters die Polizei an der Backe gehabt, die uns dann supported hat, nein sogar jemand aus der Stadtverwaltung der uns helfen möchte, hat uns zu einem Fotoshoot eingeladen. Für ihn und unsere Website.
Nach der Arbeit ging’s zum Essen. Zwar haben wir in den letzten Tagen noch einmal zum Abschied mit allen gekocht und sich auch öfters Essen gewesen, aber was soll’s, man hat Hunger und diese Speisen bekommt man nicht so schnell wieder zum Essen. Es ist Freitag und da ist so gut wie alles zu, daher müssen wir uns etwas umschauen. Wir probieren einen neuen Laden aus, zumindest für mich und nehmen alles mit. Das tolle bei den Läden ist es, das man sich seinen Salat selbst zusammenstellen kann. Auch der Nachtisch darf nicht fehlen, den gibt’s die Straße weiter. Es gibt also Shawarma und Knafeh. Erst viel Fleisch und dann ordentlich Zucker, na egal, es ist der letzte Tag.

Zwar hab ich noch ordentlich Arbeit auf der Liste, aber wir gehen trotzdem dann nochmal zum Palestine Trade Tower. Schön gemütlich was trinken, nein kein Alkohol eher Shay also Tee und dabei den so gut wie letzten Sonnenuntergang genießen. Besonders am Freitag ist es sehr ruhig da. Wer will kann hier vorbei schauen. Es wird dunkel und wir machen uns langsam auf den Heimweg. Es gibt noch ein Teammeeting wegen dem Flug und auch mein Koffer ist noch nicht ganz voll. Auf dem Weg bekleben wir nochmal schön die Straßen mit unseren Stickern.

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In unserer Wohnung verabschiedet sich die letzte Studentin noch von uns allen und ich bringe sie dann auch gleich Heim. Es ist recht früh dunkel und ab einiger gewissen Uhrzeit sollen Frauen nicht mehr alleine herumlaufen. Sicher ist sicher. Ich werde auch prompt in die Wohnung und zum Abendbrot eingeladen. Oh nochmal Essen. Ich bin voll aber will auch nicht unhöflich sein. Außerdem gibt’s auch Brot aus Jerusalem mit frischem Ziegenkäse, regionales Olivenöl und Zatar, ein bestimmtes Gewürz. Als Nachtisch bekomm ich Wassermelone. Beim Essen reden wir über verschiedene Dinge, u.A. werde ich zu dem Leben in Deutschland befragt. Ich versuche es ein wenig zu erklären. Jedenfalls aus meiner Sicht, die guten als auch schlechten Seiten. Da die Palästinenser nicht aus der Stadt dürfen, jedenfalls nicht die in Ramallah Geborenen oder aus der Westbank abstammen, müssen sie, wenn sie gern z.B. nach Jerusalem wollen eine Erlaubnis beantragen. Diese Erlaubnis bekommt man jedoch nur wenn man einen triftigen Grund hat, den haben die Wenigsten. Es ist jedoch Ostern, jedenfalls in Ramallah und der israelische Staat schenkt den Bürgern einen Monat Ausgangssperre. Juhu! Man zeigt mir die Erlaubnis. Aufgelistet sind u.A. Ort, Zeitpunkt, der Name des Eigentümers, des Vaters, des Großvaters und dessen Vaters. Man will ja sicher gehen. Es wird spät und es kommt, was kommen muss, die Verabschiedung. Das letzte Mal nochmal Tschüss sagen. Man weiß man sieht sich wieder, nicht so schnell aber man sieht sich wieder.

Auf dem Weg zur Wohnung versuche ich nochmal alles aufzuschnappen, jede Straße, jedes Hupen, einfach mal stehen bleiben und der Blick in die Menge. Zuhause also in unser Wohnung oder auch Base 3 genannt, ist es relativ ruhig. Einige schlafen nochmal kurz, andere packen und ich versuche nochmal meine Daten vor allen Eventualitäten zu sichern. Dann ist es auch schon fast 23 Uhr Ortszeit, wir müssen hoch, zum Headquarter, also Wohnung Numero Uno. Wir besprechen die Rückfahrt und den Flug an sich, mögliche Kontrollen und welche Antworten Tabu und welche gewünscht sind. Die Stimmung wird wieder etwas gedrückt, aber wie es sich herausstellt später, war diese Form von Vorbereitung gut. Wir gehen letzte Details durch und sind auf alles vorbereitet. Hauptsache gesund ankommen. Um 1 Uhr kommt unser Taxi, mein Flug ist kurz nach 6. Hört sich früh an, aber für Israel absolut notwendig. Ich gehe runter und werde langsam nervös.

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