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Food Tasting in Jifna!

Obwohl ich für das Essen einen separaten Beitrag schreiben werde, dreht sich dieser Tag doch ums Essen um genauer zu sein um das typische palästinische Essen, aber auch dem schönen Ort Jifna. Am Morgen hätte ich nicht damit gerechnet das ich am Abend mit Franzosen zusammen auf dem Weg nach Hause sitze, aber so ist das wenn man viele neue Menschen kennen lernt.

Der Tag beginnt diesmal für unser Haus etwas ruhiger, da unsere Gruppenmitglieder nicht wirklich Zeit haben. Diesmal haben wir etwas mehr Zeit zum schlafen, aber im Bett will man auch nicht den ganzen Tag liegen, daher Aufstehen, Sport, und Duschen. Wir entscheiden uns kurz fürs „Frühstück“ in die Innenstadt zu gehen und ja heute ist es wirklich warm. Die Straßen sind voller Menschen und Autos zugleich. Wir kaufen die typischen Sachen, frisches gebackenes Fladenbrot, frischen Hummus und einige Avocados vom Markt. Hier und da auch mal einen Saft oder frische Salbeiblätter zum Tee machen. Zurück in der Wohnung geht jeder wieder an seine Arbeit und dabei frühstücken wir etwas, doch diesmal versuchen wir uns zurück zu halten, denn heute sind wir an einem Food Tasting dabei, also wir probieren für jemanden das palästinensische Essen. Was uns erwartet wissen wir nicht, wo wir hinfahren wissen wir auch nicht, wer das macht wissen auch nicht, was wir wissen ist das wir um 16 Uhr an der Uni sein sollen, daher machen wir uns fertig und los geht’s auch schon mit dem Taxi nach oben.

Angekommen warten die Anderen auch schon am Treffpunkt. Nach einiger Zeit geht’s dann auch schon los, mit drei Autos fahren wir nach Jifna, ein kleines Dorf mit ca. 2000 Einwohnern. Das besondere ist das Jifna ein christlich geprägtes Dorf ist, aber dazu später mehr. Unsere Fahrt endet an einem Schwimmbad, in dem auch ein kleines Restaurant ist, jedenfalls sieht es so aus. Das Wasser im Becken ist leer aber die Räumlichkeiten werden für das Probeessen genutzt. Da wir zu früh sind, müssen wir uns noch etwas gedulden. Wir können uns aber ablenken, uiiii eine Schaukel! In der Zeit erfahre ich, dass dieses Schwimmbad sowohl von Frauen als auch Männern genutzt werden darf, was in Ramallah selbst nicht gestattet ist. Jedes Dorf legt so seine eigenen Regeln fest, abhängig wie viele Muslime oder Christen da wohnen und demnach ändert sich auch die Kleiderordnung oder das Verhalten zwischen Mann und Frau. Im Sommer eröffnet das Schwimmbad wieder.

Wir lernen unseren Gastgeber kennen, Anton ein Student der über das palästinensische Essen seine Abschlussarbeit schreibt. Wir sind seine Versuchskaninchen, sehr gut, wir können helfen und alles was mit Essen zu tun hat lässt unser Herz höher schlagen. Sein Fokus liegt darauf, wie Menschen z.B. aus Deutschland und Frankreich das lokale Essen wahrnehmen. Daher sind wurden auch Franzosen eingeladen, einige vor uns, einige nach uns. Wir können endlich rein, sehr gut, alle sind hungrig und gespannt. Im Raum gibt’s speziell Plätze für die Teilnehmer und die Gäste müssen sich außerhalb hinsetzen. Dann geht’s auch schon los und jeder soll über seine Erfahrungen mit arabischem Essen berichten. Wer hat was wo in welchem Land probiert oder gegessen? Welche Unterschiede gibt es? Gibt es in Deutschland große Unterschiede? Alles will er wissen, alles ist wichtig, alles interessant, daher wandert er immer wieder von Tisch zu Tisch. Unsere Gruppe besteht aus verschiedenen Nationen, daher ist das besonders interessant.

Endlich Essen! Uns ist so warm, daher fangen wir mit einer Limonade an, wie so oft Lemon&Mint Juice. Auf dem Tisch stehen bereits kleine typische Happen, verschiedene Käsesorten, Zatar (eine Gewürzmischung) und der Hummus sowie das Brot kommen auch direkt. Super Hummus und Brot, göttlich! Dann fangen wir mit dem Buffet an, viele verschiedene Vorspeisen. Gefüllt mit Spinat, Gemüse, gebackenes Fleisch, Suppe oder Salat, alles ist vorhanden. Wir essen, probieren und berichten immer wieder. Ich spare mir alle Benennungen, die kann man auf den Bildern betrachten. Dies und jenes kennt man aus diesem Land oder aus dem eigenen Heimatland. Dann beginnen wir mit der Hauptmahlzeit, Lamm, Reis, Hähnchen oder weitere Beilagen. Wir haben die volle Auswahl. Ich probiere eine Sache nach der anderen und muss sagen dass das Hähnchen auf Brot, auch Musakhan genannt ist direkt mein Favorit. Knusprig auf einer Seite, soft auf der Anderen, dazu Zwiebeln und gut gewürztes Fleisch. Anscheinend das ur-typische lokale palästinische Essen Das Lamm in Tomatensoße (Okra) ist so zart das es von allein abfällt, jedoch ist auch Zimt dabei, da wohl wie man mir erklärt sehr oft Zimt zum kochen genutzt wird, so muss ich direkt an Weihnachten denken. Ich werde voller und voller, aber Nachtisch geht immer und daher geht’s auch direkt mit dem Süßen weiter. Wow Karamell oh doch nicht … Weintraubenmuss mit Tahini. Tahini ist eine Sesampaste die auch in den Hummus kommt. Besonders das Gebäck anscheinend Ma’amoul genannt ist interessant, da dies am Rande mit einer marmeladeähnlichen Traubenpaste gefüllt ist. Bei den Muslimen wird dieses traditionelle Gebäck während des Ramadan an besonderen Feiertagen verspeist, bei den arabischen Christen wiederum u.A. vor der Fastenzeit, dabei soll die Form an die Dornkrone von Jesus erinnern. Weiter geht’s zur nächsten Verwunderung, über Halava. Ein Süßspeise die in Polen unter dem Namen Chałwa bekannt ist und aus einer eher festen Masse besteht die dann an einem großen Block hängt und recht undefinierbar schmeckt, für mich eine tolle Verbindung.
Immer wieder zwischendurch kleine Interviewaufnahmen über den Geschmack und Unterschiede zum deutschen Essen. Zum Schluss gibt’s nochmal einen Schuss arabischen Cafe, typischerweise in kleinen handlichen Tassen angereichert mit Kardamom, was interessant aber gewöhnungsbedürftig schmeckt. Wir sind endgültig satt, daher geht’s jetzt zum Rundgang durch Jifna. Zwei französische Lehrerinnen, die auch bei der Verkostung mitgemacht haben, kommen mit uns mit.

Jifna ist ein sehr idyllischer Ort, viel Grün, kleine Häuser und in der Nacht sehr romantisch. Passend zum Wetter machen wir einen schönen Rundgang. Dabei werden wir von einem Einheimischen geführt, der im Dorf bekannt ist und viele Kontakte nach Deutschland und Frankreich hat. Er freut sich uns seine Heimat zu zeigen. Wir machen uns auf den Weg zu einer Kirche, davon gibt es zwei und vier Moscheen. Auf dem Weg bleiben wir an einem ganz besonderen Platz stehen. Die Jungfrau Maria hat angeblich an diesem Ort Rast gemacht und vom Feigenbaum gegessen als sie auf dem Weg nach Betlehem war. Schon etwas komisch mal direkt vor Ort zu sein, anstatt diese sein Leben lang in der Kirche zu hören. Wir bleiben stehen und hören uns die Geschichte an. Dann geht’s weiter zur Kirche auch hier gibt’s eine Geschichte. Ich will reingehen und fühle mich direkt etwas heimisch, was so eine Kirche ausmachen kann ist sehr verwunderlich. Für eine Muslimin in unserer Gruppe ist das ihr erster Besuch in einer Kirche und ich kann ihr einige Dinge erklären. Irgendwie schön so ein Austausch, wir werden alle etwas emotional, aber wir müssen weiter. Neben der Kirche befindet sich die alte zerstörte orthodoxe Saint George Church, die so gut wie nur aus Ruinen besteht, daher müssen wir vorsichtig sein. Diese wolle man wieder irgendwann aufbauen, daher soll der Platz sauber gehalten werden, was sich leider als nicht so leicht erweist.

Unser nächster Halt ist eine Schule. Ein beliebtes Hobby der Kinder ist das Trommeln, aber in einer großen Gruppe. Sie sind am üben und als sie bemerken das wir anwesend sind, zeigen sie direkt ihr Können. Viele solcher Gruppen sind in und rund um Ramallah vertreten. Jedes Team übt und tritt dann an besonderen Tagen wie Ostern oder Weihnachten gegen andere Teams an. Demnach werden öfters Wettkämpfe ausgerichtet, was mit großen Festen verbunden wird. Ein kurzen Einblick gewünscht? Kein Problem …

Wir ziehen weiter und kommen zum Endpunkt der Tour. Ein Brunnen, neben diesem sei ein direkter Zugang zum Wasser wie man uns erklärt. Früher konnte damit die ganze Stadt mit Wasser versorgt werden, sogar zum trinken. Heute ist dies jedoch nicht mehr möglich. Das interessante und erschreckende zugleich ist, dass der Zugang zum Wasser immer schlechter wurde. Damals ging man drei Stufen, heute 25 Stufen zum Wasser. Das liegt daran das viele Gebäude öfters zerstört wurden, u.A. wie die Saint George Church und man den Boden einfach erneut auf die Trümmer der alten Gebäude gebaut hat, dadurch liegt das Dorf jetzt etwas höher. Wir bedanken uns recht herzlich und machen uns auf den Weg zum Schwimmbad.

Um den Abend etwas ausklingen zu lassen, setzen wir uns noch in einer gemütlichen Runde hin. Dabei gibt’s kleine Knabbereien und endlich das neue Bier aus Ramallah, das Shepherds. Wir unterhalten uns wie immer viel und tauschen uns aus. Dabei erfahre ich das die Franzosen als Lehrerinnen tätig sind. Sie unterrichten a.A. an der Uni Französisch. Auch die Franzosen sind hier beliebt, wie man mir erklärt wegen dem früheren Präsidenten Jacques Chirac der sich sehr für das Volk ausgesprochen hat. Auch erfahre ich sowie andere einiges über das Projekt, da man viele Probleme kennt, will man sich natürlich gegenseitig helfen. Da es immer später wird machen wir uns doch langsam auf den Weg. Wir teilen uns auf und werden freundlicherweise noch von unseren Gastgebern nach Hause gebracht. Bei der Fahrt in der Nacht hat man einen wunderschönen Ausblick. In den Dörfern sowie Flüchtlingscamps brennen die Lichter, hin und wieder findet sieht man grün angeleuchtete Türme und irgendwie wirkt es fast schon ruhig, fast so als gäbe es gar keine Probleme. Verrückt.

Angekommen bedanken wir uns und ich brauche doch noch einen Cafe, daher suchen wir den nächst gelegenen Cafe-Verkäufer und ich bestelle meinen ersten Cafe auf Arabisch. Ein schönes Gefühl, nicht nur für mich wie ich bemerke. Hierbei sieht man noch wie schön man Kaffee auch machen kann, frisch über der Flamme. Ma’salam und wir gehen Heim. Die Gedanken müssen noch erst sacken und ich setze mich vor diesen Text. Good night.

*doofe Bilder zerstören das ganze hübsche Design :(

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