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Halbschlafstory

Wie es mir geht werde ich oft gefragt. Wie sollte es mir gehen? Ich möchte einen kurzen Moment nutzen und die letzten zwei Wochen in der Retrospektive betrachten. Das Positive vorweg. Ich werde zum schreiben motiviert, was auch gut ist und auch gut tut. Seine Gedanken oder Ereignisse zu sortieren und die themenbehaftet in einer digitalisierten Fassung niederzuschreiben. Was aber ein gewaltiger Nachteil ist, das man ne ich, ich setz mich unter Druck und erwarte von mir neben meinen eigenen Notizen, schöne Artikel rund um das Leben in Palästina zu schreiben. Nur leider wissen wir so gut wie gar nichts von dem Leben hier, außer das was wir in der Touristenblase kennenlernen und von anderen Menschen erzählt bekommen. Das soll nicht bedeuten, dass das gelogen ist oder weniger schrecklich ist. Die Balance zwischen Verarbeiten, Schreiben und Erleben ist nicht leicht wie ich gestehen muss. Vielleicht die ersten Stolpersteine für mich. Trotzdem darf ich mich mal auskotzen, dafür bin ich hier, auch wenn’s nur ein 1% meiner Empfindungen sind, aber why not.

Man erlebt hier Tag für Tag etwas Neues, auch wenn man nichts geplant hat und einfach auf die Straße geht. Irgendwer kommt schon und Zack, hört man wieder eine Lebensgeschichte, was einfach beeindruckend ist. Es ist einfach schwer passende Themen zu finden und die Sachen auseinanderzuhalten. Abends weiß man meist gar nicht was schon morgens war, weil man so viele neue Informationen zu verarbeiten hat und einfach müde ist. Die Menschen leben hier Einerseits in so einer scheiß Situation und es ist krass zu bemerken das die Erschießung der eigenen Freude oder Sprengungen in der Nacht zum Alltag gehören. Anderseits sind diese Menschen voller Hoffnung und Erwartungen, was mutig und beeindruckend ist. Wir kommen hier her und heulen. Heulen weil wir so schockiert sind und es nicht glauben können wie schlecht es den Menschen hier geht. Die Situation ist auch scheiße, aber die Menschen zu bemitleiden auch. Eher sollte man stolz sein, das man mehr über sein eigenes Leben in Deutschland nachdenkt und bald wieder in dieser „schönen“ Comfort Zone steckt. Es ist heuchlerisch alles sonst auszublenden und zu denken die Welt Drumherum sei so weit entfernt und so viele Probleme sind einfach nicht vorhanden und dann kommt man her und beschwert sich dass das Internet nicht funktioniert oder das es kein warmes Wasser gibt. Das eigentliche Problem zu verstehen hab ich aufgegeben steckt überall, politischer Gespräche sind Alltag und man ist mittendrin und weiß am Ende gar nicht mehr was man überhaupt sagen soll. Der weiße Mann und seine Verständniskeule? Nach zwei Wochen hab ich kein Recht dazu.
Ich will mehr wissen, mehr Gespräche, mehr Emotionen … vielleicht klappt’s ja.

Ich bin nicht mehr wert als sonst wer hier, passiert mir was dann hab ich es genauso wenig verdient wie alle anderen friedlichen Menschen hier auch. Diese stehen zumindest für etwas ein, auch wenn viele selbst in dieser Situation einen ganz normalen Alltag haben und alles Schreckliche dazugehört und man trotzdem die gleichen Luxusprobleme hat wie wir, u.A. die Fragen welches Smartphone-marke besser ist.
Warum schreibe ich das hier? Ich weiß es nicht. Jeder hier hat seine eigene Geschichte, jeder hat andere Erfahrungen und Eindrücke. In den kleinen Details stecken die meisten Antworten. Wenn ein taubes Kind, in einer Taubstummenschule, eine Seifenblasendose geschenkt bekommt und dann voller Freude deine Hand nimmt, ja dann weiß ich, dass sich die Reise schon gelohnt hat. Natürlich weiß das Kind nicht mehr wer ich war oder warum ich da war aber man selbst weiß wo man anfangen könnte. Der eigene Hass wird größer. Mehr Wut, mehr Unverständnis. Die Beschreibung ist verdammt widerlich. Kitschig? Versteht man es falsch? Ich weiß es nicht. Ich bin müde und morgen geht’s weiter. Oh ich meine heute. In paar Stunden und alles dreht sich wieder im Kreis. Die nächsten Tage werde ich trotzdem wieder was schreiben. Und warum? weil es auch mal gut tut. Mir geht’s gut. Meistens.

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