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Jericho und das Tote Meer

Wie schon angesprochen, möchte auch noch einige Orte für mich und euch zusammenfassen. Mein erster Rückblick sozusagen. Heute geht’s um die Fahrt nach Jericho, zum Toten Meer und der Wüste Juda. Während ihr in Deutschland den 1. Mai gefeiert habt, war ich Sonne tanken. Diesmal an einem richtig heißen Tag, wärmer als es sonst und das hat auch einen guten Grund. Viel Rumgelaufe, viel Wasser und viel Spaß. Ja, so könnte man den Tag beschreiben. Auf jeden Fall würde ich jedem den Trip empfehlen. Ich biete mich gern als Führer an, natürlich auf Stundenbasis. Egal dann fangen wir mal an. Weitere folgen auch noch …

Wir treffen uns vor dem Hauptquartier und warten auf die lokalen Studenten, heute kommen sogar drei mit, wir haben ja Platz und es ist schön auch die Sachen gemeinsam zu erleben. Um 9 Uhr ging’s los und dass an einem Sonntag. Da sind wohl die meisten wenn in der Kirche, aber wir sind auf dem Weg zum Busbahnhof, wenn man das so beschreiben kann. Was für eine Überraschung, wir treffen unseren alten Fahrer, mit dem wir wieder verabredet sind. Ruck zuck sitzen wir alle im Minibus und unsere palästinensischen Studenten regeln alles, was für ein Glück, denn der Fahrer kennt selbst kennt die Strecke nicht. Wow, denke ich mir, da hat er sich ja den perfekten Job ausgesucht, na das wird ein Abenteuer. Zum Glück wissen wir selbst nicht wo es hingeht, wir lassen uns also mal überraschen.
Ich muss sagen es war schön die gesamte Fahrt neben einem lokalen Studenten zu sitzen, da man sich wunderbar austauschen kann und die Zeit auch wirklich nutzt darüber zu reden, was sie so über Deutschland denken. Sonst macht man die gleichen Späße oder bringt sich gegenseitig die Sprache bei. Richtig schön.

Auf jeden Fall geht’s Richtung Jericho, das ist zwar nicht so weit weg, wie alles in der Westbank aber trotz allem, liegt’s ja auch an den Straßen, dem Verkehr und den Checkpoints. Auch wir durchfahren natürlich wieder welche, sogar einen sehr gefährlichen, aber das versuchen wir heute etwas zur Seite zu schieben auch wenn’s schwer fällt. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten. Unterwegs kommen wir sogar durch unsere erste palästinensische Kontrolle. Die Soldaten sind jedoch im Vergleich viel freundlicher und offener. Wir werden begrüßt und der Fahrer sowie die Studenten werden gefragt wohin wir wollen und ob sich israelische Personen im Bus befinden, da der Abschnitt für Israelis untersagt ist. Sie erklären ihnen das wir deutsche Studenten sind und woher wir kommen und was wir heute vorhaben, man lacht und winkt und lässt uns ohne Probleme weiterfahren. Eine interessante Erfahrung. Wir fahren weiter, schauen raus und sehen irgendwann nichts mehr. Eine halbwegs befahrbare Straße sonst nichts, keine Häuser, kein Grün und nichts Flaches. Oh, da ist ein Esel, schön, sehr schön. Wir fahren weiter hoch und die Berge samt der Wüste entfaltet sich vor uns. Zwischen all dem Schönen, bekommen wir etwas Angst. Langsam geht’s wirklich tief runter und durch die Strecke fängt der Bus an zu wackeln, passend dazu fängt auch der Busfahrer an zu fluchen. Unsere Gäste erklären ihm das es auch noch einen anderen Weg gibt, aber er glaubt es nicht und wird immer lauter, wir müssen alle einfach nur lachen. Da traut er sich aber was zu und in dem Moment endet auch der Asphalt der Straße, das wackeln wird nicht besser. Ich bin einfach nur begeistert was ich sehe und weiß gar nicht wo ich überall hinsehen soll. Wir sind also in der Wüste Juda angekommen. Dann endlich ein großes Tor, ein paar Menschen und noch ein Bus. Wir sind wohl endlich oben angekommen und jetzt sieht auch der Fahrer das es wohl einen anderen Weg gibt. Sei’s drum, wir sind da.

Ein Torbogen mit drei Durchgängen und ein Kreuz oben drauf, so was einfach wirkt schon recht faszinierend wenn drum herum nichts ist. Die Tür geht auf und wir gehen raus, schnell merken wir dass die stehenden Menschen aus der Ferne einfach wartende Verkäufer sind. Natürlich super Preise, nur für uns. Bei der Hitze bin ich froh meine Kufiya dabei zu haben, damit kann man mehr machen als man denkt. Schwupps nimmt man mir diese vom Hals, legt sie mir auf den Kopf und drückt eine schwarze Kordel drauf, auch Agal genannt. Diese kennt man besonders aus dem arabischen Raum und wird dafür verwendet um die Kufiya zu fixieren. Ich bedanke mich und sage freundlich nein, keiner hat Interesse sonst was zu kaufen, auch keine kühlen Säfte was bei der Situation eigentlich ganz super wäre. Wir machen uns los und folgen dem steilen Weg nach unten. Einfach unfassbar wie weit und tief die Schluchten sind, auf dem Foto kann man das gar nicht so schön einfangen. Hier und da sieht man ein Kreuz in der Ferne oder hört einen Esel schreien (das heißt wohl so). Unterwegs sehen wir einige Menschen auf Eseln reiten, natürlich sehr praktisch doch auch wohl ein Touristenmagnet. Wir laufen weiter und bleiben hin und wieder stehen, machen Fotos und genießen die Sonne. Diese macht ihre Aufgabe wirklich gut. Kurve um Kurve geht es weiter runter und dann sehen wir auch schon von Weitem unser Ziel. Natürlich geht’s erst mal komplett runter, über eine kleine Brücke um auf die andere Seite zu gelangen um dann wieder nach oben zu gelangen. Wir sehen das St. Goerg Kloster, das an der Felswand gebaut wurde und zwischen dem Nichts einfach beeindruckend wirkt. Tief im Tal ist es auch grüner, da kleine Wassergassen alles gut befeuchten. Auch das Tal selbst ist manchmal komplett mit Wasser gefüllt, heute aber ist alles trocken. Das Kloster wird von griechisch-orthodoxen Mönchen bewohnt, die unter anderem auch kontrollieren, dass niemand zu frei gekleidet durch den Eingang kommt. Meine Kufiya wird deshalb schnell zum Rock umgewandelt, da wie so oft in den Kloster und Kirchen, Frauen nicht mit Hosen eintreten dürfen, bei Männern geht das klar, wie so Vieles. Was nicht heißen soll, das Männer mit kurzen Hosen auch rein dürfen, Nein! Einer aus der Gruppe musste deshalb das gleiche Röckchen bastelt, bevor er rein durfte. Innen drin sind Fotos eigentlich nicht erlaubt, aber was ältere russische Damen können, können wir schon lange. Im Kloster selbst stehen kalte Getränke und frischer arabischer Kaffee bereit, für alle Gäste die es bis dahin geschafft haben. Wir ruhen uns kurz aus und sehen einen komplett abgedunkelten Raum. Wir hören betende Menschen und sind verwundert wie schwarz bemalt der Raum ist. Eine Gruppe von Menschen liest aus der Bibel vor und einige sind kniend an der Seite, vor ihnen Knochen und Schädel von Märtyrern, sowie eine kompletter einbalsamierter Körper aus dem Jahr 614 nach Christus. Ich lasse den Moment auf mich wirken. Wo bin ich hier? Ich weiß wo ich bin, aber die Vorstellung und der Glaube der Menschen den man so sieht lässt einen nachdenken. Wie immer. Wir verlassen den Raum und warten auf die Anderen, nutzen aber die Zeit und gehen eine Etage höher wo wir eine noch bessere Aussicht haben. Die Vorstellung dass die Mönche hier leben, so friedlich und ruhig in der Mitte vom Nichts. Irgendwie ist der Gedanke schön soweit weg von allen Alltagsproblemen zu sein. Gut kommt drauf an wie man es sieht, ich sehe es aber gerade so. Wir haben viele Fragen die sich alle darum drehen wie man hier überleben kann bei so einem Hinweg. Genug Bilder gemacht, genug Ruhe gehabt, es geht weiter, noch tiefer in die Schlucht. Durch die Palmen und den kleinen Steinhütten wirkt das ganze wie eine andere Zeit, das gleiche Bild das man früher in der Kirche über Jesus gehört hat, alles passt perfekt.

Vor dem Eingang gibt’s noch Toiletten die wir natürlich ausnutzen und ich muss schon sagen, die Aussicht ist nicht so schlecht wenn man gerade muss, nur riechen tut es etwas streng. Danach laufen wir wieder Richtung Brücke wo wir auch von den griechischen Eselreitern angesprochen werden, da einer von uns griechischer Abstammung ist wird natürlich etwas geplaudert. An der Brücke gehen wir jedoch diesmal rechts vorbei, um dann weiter in die Schlucht tiefer zu klettern. Wir suchen Wasser, zumindest kennen die lokalen Studenten die Stelle und sie wollen uns den schönen Anblickt zeigen. Das Problem ist das wir kein Wasser sehen, aber etwas hören. Nebenbei laufen einige wilde Tiere herum und wir sehen nur Felsen und Höhlen in die wir auch mal reinklettern, jedenfalls ich zumindest. Auch hier wächst ein komisches Gefühl heran, so weit außerhalb, umzingelt von riesigen Felsen und kein Wasser, dafür tausende kleine Steine und alter Müll der wohl seit Jahrzehnte hier liegt. Wir kapitulieren und gehen zurück, das sich dabei keiner was gebrochen hat war ein Glück. Ich hab mir dann auch mal spontan einen Wanderstock genommen und einen kleinen Kinderschuh drangesteckt. Ja, hört sich komisch an und war es auch, denn der Schuh sah verdammt alt aus. Ein kleiner schwarzer Kinderschuh aus Leder. Auch die Anderen suchen sich Stöcke und wir laufen den gesamten Weg zurück. Ein Teil der Gruppe ist schon weiter Vorne und wir hinten machen auch mal eine kleine Rast, da eine palästinische Stundeten Hausmannskost dabei hat, Fladen mit Olivenöl und Zatah bestrichen und gebacken. Doch lange bleiben wir auch nicht sitze denn es liegt ja noch ein ganzes Stück vor uns. Auf dem Weg nach oben genieß ich natürlich nochmal die Aussicht und wenn man sich vorstellt wer hier schon überall war, wirklich unfassbar. Wer hier runterspringt wird wohl nicht so schnell wiedergefunden. Einfach so weg, mh. Am Bus angekommen werden wir natürlich wieder direkt mit Angeboten belästigt, aber nun gut da kann man nichts machen. Wir zählen durch, setzen uns in den Minibus und fahren los. Erst mal ein Schluck Wasser für die Nerven.

Unser nächstes Ziel ist das Kloster der Versuchung. Natürlich müssen wir also erst zum Berg der Versuchung. Versuchung? Ja genau, hier soll nach der christlichen Überlieferung Jesus von Nazaret an diesem Ort den Versuchungen des Teufels widerstanden haben, während er dort 40 Tage lang fastete. An dieser Stelle ist auch das griechisch-orthodoxe Kloster Quarantal (Deir al-Quruntul), das wir besuchen werden. Quarantal steht dabei für Vierzig. Wie kommen wir da hoch? Laufen? Nein, natürlich mit der Seilbahn. Um genauer zu sein mit der Jericho-Seilbahn. Vor Ort müssen wir natürlich noch die Tickets bezahlen und interessant ist, wir zahlen den normalen Preis von 40 Schekel unsere palästinensischen Studenten jedoch nur 25, falls ich mir hier nicht irre. Aber dafür auch für die Hin- und Rückfahrt. Wir begehen uns zu den Kabinen. Es fahren immer drei Kabinen gleichzeitig hoch und gleichzeitig runter. Natürlich passen wir nicht alle in eine und so fahren wir gemütlich nach oben. Was uns auffällt ist das alles von einer österreichischen Firma gebaut wurde, zumindest das könnte für Sicherheit stehen. Die Fahrt dauert keine 10 Minuten und ist ungefähr 1330 Meter lang, bei einer Höhe von 180 Metern. Wir bleiben hin und wieder kurz stehen und genießen die Aussicht. Besonders so sieht man wie tiefgelegen dieser Ort liegt. Oben angekommen, schauen wir uns um, warten noch auf den Rest und begutachten die Souvenirshops sowie das Café das hier erbaut wurde. Um zum Kloster zu kommen muss man noch ein Stück der Mauer entlang viele Treppenstufen erklimmen, was bei der Aussicht zwar anstrengend aber einfach nur motivierend ist oben anzukommen. Danach läuft man sozusagen zwischen den Felsen und dem Kloster, was einfach wunderschön wirkt. Es gibt verschiedene kleine Höhlen und am Ende des Ganges kommt man in die eher düstere Kapelle. Eine kleine Treppe hoch und da sieht man den Stein auf dem angeblich Jesus gesessen haben soll. 40 Tage lang soll er hier gefastet haben, wobei ihm der Teufel Drei mal erschienen ist. Wieder ein komisches Gefühl. Also hier auf diesem Stein? Einfach so? Viele Fragen kommen mir auf. Wir machen wir einige Bilder und sogar Steine darf man sich mitnehmen, also die anscheinend vom Berg sind. Ich hatte mir schon auf dem Weg einige direkt aus der Wand herausgebrochen. Darf ich das überhaupt? Ach so ein kleines Stück schadet ja keinen. Wenn ich schon mal hier bin. Auf dem Rückweg können wir noch auf einen kleinen Balkon, wenn man das so sagen kann, die komplette Aussicht genießen. Die Mönche sprechen alle griechisch, was immer wieder faszinierend ist das man überall andere Sprachen hört. Sogar einen polnischen Passanten habe ich getroffen und die Gelegenheit natürlich genutzt mich etwas sprachlich auszutoben. Während wir zurück zur Seilbahn laufen, stellen wir fest, dass da ein altes Auto steht. Nicht schlecht. Auf dieser Höhe, auf diesem Weg und dann steht da einfach so ein Auto, na warum nicht. Weit kommt man damit nicht mehr. Vor der Bahn kann man mit einem Fernrohr, was zufälligerweise aus Deutschland ist, in die Ferne schauen und ganz leicht das Tote Meer begutachten. Wie nah doch hier alles ist. Da kommen auch schon die Kabinen und wir müssen natürlich erst mal unser Ticket zeigen, man hätte ja auch mal so eben den Weg laufen können, ist klar. Nun gut, wir setzen uns rein und fahrend belustigt wieder runter. Man winkt hier und da den anderen Passanten aus den anderen Kabinen zu und genießt wieder die Aussicht. Einige Minuten später sind wir auch schon unten und steigen Richtung Souvenirshop aus, auch hier und da gibt’s einiges zu sehen aber ich hole mir nichts. Wir machen einige Minuten Pause und laufen dann Richtung Bus. Doch wir fahren noch nicht ab. Denn wir sind in Jericho und in der Nähe der Talstation liegt die Grabungsstätte Tell es-Sultan. Um sich diese aber anschauen zu können, muss man zahlen, wir bekommen aber zum Glück einen Studententarif. Für ein paar Schekel (8 oder so?!) können wir uns die verschieden Fundschichten der alten Siedlungen anschauen. Diese sind ziemlich alt und machen Jericho deshalb auch zur angeblich ältesten und tiefsten Stadt der Welt. Über 11000 Jahre, das muss man sich mal vorstellen. Zudem liegt Jericho 250 Meter unter dem Meeresspiegel, was die Hitze natürlich erklärt. Kennt man ja auch aus anderen deutschen Städten wie Köln. Nur naja etwas krasser. Eigentlich gibt es nicht so viel zu sehen, da alles abgesperrt ist und einfach nach Stein ausschaut. Ist ja irgendwie klar. Zusätzlich macht uns die Sonne zu schaffen, so stark dass ich kaum die Augen offen lassen kann. Der andere Teil der Gruppe wartet schon auf uns bei einem schönen kleinen öffentlichen Brunnen und siehe da, es gibt sogar Trinkwasser. Da sage ich natürlich nicht Nein.

Einige Minuten später sitzen wir auch schon wieder im Bus, dieses mal wollen wir kurz zum Palast des Hischam. Es ist nicht so leicht bei so einem Wetter alles in Jericho abzuklappern, da die Hitze echt ermüdend ist und wir haben erst Mai und man muss sich auch auskennen, wir hatten ja zum Glück unsere Studenten mit. Angekommen sehen wir auch schon die Ruinen die durch eine Mauer umgeben beziehungsweise geschützt sind. Wirklich alles zerstört oder heruntergekommen, jedoch sieht der Innenhof mit seinen Säulen und Verzierungen sehr schön aus. Schnell werden wir angesprochen, dass wir zahlen müssen, achja wieder Eintritt zahlen. Ok von der einen Seite kann ich es verstehen, von der anderen Seite frage ich mich ob ich wirklich rein will. Wir beschließen nicht reinzugehen und entlang der Mauer zu laufen, denn eigentlich kann man von hier auch alles sehen, zwar nicht so nah aber immerhin. Nach einigen Minuten schauen wir auf die Uhr und bemerken dass es schon nach 13 Uhr ist. Wir sind hungrig und belassen es dabei, denn wir haben ja noch unser letztes Ziel vor uns, das Tote Meer. Also schnell rein in den Bus und ab geht’s zum Essen. Um zum Toten Meer zu kommen, müssen wir wieder durch die Stadt. Demnach bleiben wir an der Hauptstraße stehen und suchen uns einen Falafelladen bei dem wir auch drinnen sitzen können. Endlich etwas Schatten und wieder ein leckeres Falafelsandwich, meins sogar mit Hummus, was nicht üblich ist. Wir müssen etwas warten, da 16 Sandwiche erst mal auch fertig gemacht werden müssen, wir vertreiben uns die Zeit mit den typischen Vorspeisen und kalten Getränken. Dann ist es auch soweit, das Essen ist fertig und von uns auch schnell verspeist. Nachdem der letzte Rest auch weg ist, holen wir uns noch einige Getränke und machen uns wieder in den Bus. Ich bin gespannt. Das Tote Meer, seit der Kindheit schon immer davon geträumt und viele Geschichte rund um das Wasser gehört aber jetzt bin ich auch gleich da. Wir fahren los.

Unser Weg führt uns zum Kalia Beach. Ein Teil der Strände sind auf der israelischen Seite und ein Teil auf der palästinensischen, jedoch werden diese auch meist von den Israelis bewacht. An diesen Stellen dürfen Palästinenser trotzdem hin, nur natürlich nicht auf der israelischen Seite, da dürfen nur Touristen und die Israelis selbst hin. Die meisten Strandabteile sind auch kostenpflichtig was irgendwie schade ist aber doch einen möglichst angenehmen Zugang zum Meer garantiert. Der Weg ist zwar nicht weit, aber die Einfahrt zum Parkplatz gar nicht so leicht zu finden. Wir kommen an und alles sieht etwas verlassen aus. Worauf wir gespannt sind, ist der Preis. Vorab hat man uns schon erzählt dass es nicht gerade günstig sein wird, aber gut, was will man machen. Die Chance am Toten Meer baden zu können ist halt nicht immer möglich, vielleicht nur einmalig. Wir laufen zum Eingang, dieser sieht jetzt nicht anders aus als sonst wo auf der Welt, zu mal es hier wirklich sauber und modern ist. Da der Laden von Israelis betrieben wird, sind die Preise natürlich nur auf Hebräisch und Englisch. Nicht schlecht fast 60 Schekel für Erwachsene und 46 für Studenten, zum Glück hab ich meinen Ausweis dabei. Doch nicht jeder hat an diesen gedacht und so müssen wir uns schnell was überlegen. Hier und da werden sofort die Ausweise ausgetauscht und erneut vorgezeigt, es klappt, da wohl niemand von dem Personal Deutsch kann, was natürlich nicht überraschend ist. Wir bezahlen und gehen durch. Wirklich anders als ich es mir vorgestellt hatte, mal sehen wie das Meer ausschaut. Dafür gehen wir erst mal durch die Anlage durch und ich merke wie mich Menschen doch komisch beobachten. Mhh? Israelische Anlage und ich hab meine Kufiya an. Oh, ja kein Wunder, auch die anderen müssen lachen aber mir ist es egal. An den Bars vorbei müssen wir den Holzsteg weiter runter und da sehen wir schon zwischen den Palmen das Meer. Unterwegs wird auch schon darauf hingewiesen was man alles nicht im Wasser machen soll oder darf. Nicht trinken, nicht reinspringen, nicht den Kopf reinhalten usw. Na das kann ja spaßig werden. Wir laufen direkt zu Strand und suchen uns einige Stühle und Schwupps wollen wir auch schon direkt ins Wasser, also schnell mal die Umkleidekabinen suchen. Oh eine Temperaturanzeige. Mal so eben 42 Grad was wir etwas übertrieben finden, aber so gegen die 40 Grad sollte es schon sein. Zumindest laut Wetterbericht vom Morgen. 5 Minuten später sind wir auch schon bereit, doch ich frage mich wie die palästinensischen Studenten wohl auf unsere schnelle Wassernummer reagieren, unterschiedliche Religionen bedeutet unterschiedliche Verhaltensmuster beim schwimmen. Kann gut oder schlecht wirken, aber wir schätzen unsere Leute ja recht offen ein, sonst wären sie glauben wir etwas falsch bei diesem Austausch. Dann gehen wir langsam zum Wasser und schauen uns erst mal die herrliche Aussicht an. Direkt vor uns liegt Jordanien, jedenfalls die Berge die man sieht. Wirklich ein Traum, wobei andere wohl lieber das Mallorca-Feeling hätten aber ich find’s einfach nur gigantisch. Wer mal einen kurzen Moment in diesen Blick eintauchen möchte kann das kurz hier machen und sich komplett umschauen. Bei den ersten Schritten in das Wasser merkt man wie ölig und schleimig der Sand ist, daher kommen wir nur schwer voran. Ich werde immer aufgeregter. Was passiert gleich? Dann ja dann geht’s auf einmal nach oben. Wie aus Geisterhand wird mein ganzer Körper nach oben gezogen und ich liege wie auf einer Luftmatratze. Unglaublich. Nach der ersten Überraschung folgt auch die zweite, es fängt am Körper an zu brennen, jedenfalls die Stellen die man in den letzten Tagen rasiert hat. Man weiß gar nicht auf was man sich konzentrieren soll, das Brennen oder das man gerade einfach nicht sinkend an der Wasseroberfläche treibt. Nach und nach kommen auch unsere Mädels rein und auch sie merken das brennen sofort, wobei die Ladies es da doch wohl noch schlimmer getroffen haben. Der Druck nach oben macht auch nicht vor den Frauen halt und besonders nicht dann wenn diese versuchen auf dem Bauch zu schwimmen. Man versucht alles zu sein, ein Auto, ein Raumschiff oder einfach nur wie eine Wasserleiche sich treiben zu lassen. Auf dem Bauch zu treiben ist doch dann schwieriger als gedacht, da als die Beine in der Luft treiben. Einige von uns landen sogar mit dem Kopf im Wasser, was nicht so erfreulich ist da es verdammt schlecht für die Augen sein kann. Das Wasser ist echt warm und so ganz am Ende der Absperrung kommt man auch wieder ins Träumen, besonders bei dem Blick auf die Berge von Jordanien. Nach einiger Zeit im Wasser und dem schönsten Gefühl überhaupt, was wohl dem fliegen näher kommt, haha mal etwas überspitzt gesagt, versuchen wir Richtung Strand zu treiben. Da wo der Schlamm besonders tief ist, reiben wir uns noch etwas ein, da das auch noch besonders gut für die Haut sein soll. Allgemein ist das Wasser natürlich besonders super für die Haut, halt ein natürliches Salz-peeling. Dabei frage ich mich wie das Wasser wohl schmeckt, ob man das mit dem normalen Meersalz vergleichen kann und tropfe mich auch gleich darauf hin einen einzogen Tropfen auf die Zunge. Im gleichen Augenblick brennt es und auch der Geschmack ist wie der Geruch von Scheuermilch, also nicht mit normalen Meersalz zu vergleichen. Wir haben Spaß aber sind auch nach einiger Zeit vom brennen und schwimmen erst mal erschöpft und brauchen eine Pause. Bevor man überhaupt aber weiter gehen kann muss der ganze getrocknete Schlamm vom Körper was nicht so einfach ist. Zum Glück gibt es Duschen und so dusche ich und dusche ich und dusche ich. Richtig hartnäckig das Zeug. Dann kann ich auch zum Rest der Truppe die unter unserem Zelt wartet. Ich trockne mich ab und Stück für Stück werden wir langsam vollzählig. Ich hatte mir überlegt nochmal ins Wasser zu gehen aber dafür würde es zu stressig werden. Somit ruhen wir uns aus und warten entspannt bis alle trocken und umgezogen sind. Einige von uns holen sich ein Eis und andere beobachten das Meer. Auf jeden Fall sehr viele Touristen, nicht das es überfüllt ist sondern das einfach mehr Touristen vor Ort sind, sowie Holländer neben uns. Aber gut, ist ja nicht gerade eine Überraschung. Schade nur das unsere palästinensischen Freunde nicht mitschwimmen konnten, zum Teil weil sie nicht wussten das wir herkommen und zum Teil wegen ihrer Religion, aber gut sie war mit uns hier. Auch der Busfahrer muss langsam Heim und packen wir alles zusammen und brechen auf. Schon ein richtig cooles Feeling hier gewesen zu sein, ich freue mich auf ein Wiedersehen. Wir laufen erschöpft und müde zum Bus, durch die Hitze habe ich gar keine Lust mich noch wirklich umzuziehen und so lasse ich die kurze Badehose einfach an, genauso wie das Shirt. Nun gut auf geht’s zurück nach Ramallah.

Im Bus ist es natürlich diesmal ruhiger, da alle etwas müde sind. Wieder unterhalten wir uns freuen uns einfach aufs Essen. Wieder können wir die schöne relativ trockene Landschaft betrachten. Der Weg Heim dauert jedoch diesmal länger, denn es ist Stau. Hört sich ja eigentlich normal an, wenn da nicht die Israelis ihre Finger im Spiel hätten. Diese haben sogar zum Teil eigene Parallelstraßen die sie befahren dürfen und dann müssen, wenn diese dann einscheren wollen, alle anderen Palästinenser warten. Auch hier sieht man natürlich Soldaten herumschwirren. Auf dem Parkplatz angekommen will ich mutig mit meinen Schwimmklamotten Heim laufen, was sich sofort als Fehler erweist. Ein Versuch war’s wert. So laufe ich schnell zurück in den Bus und zieh mich nochmal an. Da waren die Anderen wohl zu feige, typisch aber dafür konnten wir mal lachen. Schon ein komisches Gefühl allein durch die Blicke sich umziehen zu wollen, obwohl ich ja nichts gemacht habe. Egal, relativ frei von Blicken bin ich eh nicht, aber warum noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Jetzt geht’s Heim.

Natürlich war der Tag noch nicht vorbei. Duschen, lecker beim palästinensischen Chinesen gegessen und als Krönung ein selbst gemachtes Eis. Jap, vor der Nase wird es zubereitet mit den Wunschzutaten und schön dekorativ verpackt. Das war lecker.

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